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Aktualisiert am 25. April 2001
Leitlinie für die Tc-99m-Sesta-MIBI/Tc-99m-Tetrofosmin-Mammoszintigraphie
Autor Univ. Prof. Dr. Peter Lind, Abteilung für Nuklearmedizin und Endokrinologie - PET-Zentrum LKH Klagenfurt
Zielsetzung Diese Qualitätsempfehlungen sollen bei der Durchführung, Interpretation und Befundung der Mammoszintigraphie mit kationischen Komplexen (Sesta-MIBI/Tetrofosmin) bei Patienten mit Verdacht auf Mammakarzinom hilfreich sein.
Definition Die Mammoszintigraphie mit kationischen Komplexen erlaubt die Darstellung zellreicher, (mitochondrienreicher) Tumore in der Mamma und dient als Zusatzuntersuchung zur Mammographie und Mammasonographie bei palpablen und nicht palpablen Läsionen unklarer Dignität.
Indikationen Die Indikationen zur Entzündungsdiagnostik mittels Tc-99m-markierter kationischer Komplexe sind: 1) Mammographisch oder mammosonographische Läsionen unklarer Dignität 2) Die dichte Brust 3) Brustimplantate 4) Rezidivdiagnostik in der Differentialdiagnose zu Narbengewebe
Durchführung
Patientenvorbereitung Eine Patientenvorbereitung ist nicht erforderlich
Anamnestische und klinische Angaben 1) Anamnese und Ergebnisse früherer Untersuchungen sollten dem Befunder bekannt sein 2) Die aktuellen Mammographie- und Mammasonographiebilder sollten vorliegen 3) Stattgehabte Traumen, Operationen oder Biopsien sollten bekannt sein 4) Eine aktuelle Palpation (palpabler, nicht palpabler Knoten) sollte vom Befunder durchgeführt werden
Vorsichtsmaßnahmen Vorsichtsmaßnahmen bei der Durchführung der Mammoszintigraphie mit kationischen Komplexen sind nicht erforderlich
Radiopharmazeutikum Für die Durchführung der Mammoszintigraphie mit kationischen Komplexen werden heute überwiegend Tc-markiertes Sesta-MIBI bzw. Tc-markiertes Tetrofosmin verwendet. Beide Substanzen sind ursprünglich für die Myocardperfusionsszintigraphie entwickelt worden, haben jedoch in vielen onkologischen Fragestellungen Eingang in die klinische Routine gefunden.
Der Aufnahmemechanismus beider kationischer Komplexe Sesta-MIBI und Tetrofosmin ist nicht völlig ident, beruht jedoch im wesentlichen auf Membranpotentialdifferenzen und der Anzahl von Mitochondrien innerhalb der Zelle. Zellreiche Tumore (Karzinome, hyperzelluläre Fibroadenome) führen daher zu einer Anreicherung des kationischen Komplexes Sesta-MIBI bzw. Tetrofosmin.
Für die Tc-99m-Sesta-MIBI bzw. Tc-99m-Tetrofosmin-Mammoszintigraphie werden zwischen 370 und 555 MBq i.v. in eine der primären Mammaläsion kontralaterale Kubitalvene bzw. bei beidseitigen Läsionen in eine Fußvene injiziert.
Datenaquisition Die Untersuchung sollte bei praemenopausalen Frauen zwischen dem 5. - 11. Regeltag erfolgen. Die Aufnahmen erfolgen in Bauchlage unter Verwendung spezieller Liegen, sodass beide Mammae frei durchhängen können. Für die Mammoszintigraphie ist eine Doppelkopfkamera wünschenswert, sie kann jedoch auch mit einer Einkopfgroßfeldkamera durchgeführt werden. Die planaren Aufnahmen beginnen 5 Minuten post injektionem und sollten pro Mamma mindestens 10 Minuten betragen. Es werden Aufnahmen in seitlicher und anteriorer Projektion durchgeführt. Bei Läsionen in den medialen Quadranten ist eine SPECT in Rückenlage wünschenswert.
Aufnahmeprotokoll 1) Injektion von 370 bis 555 MBq Sesta-MIBI/Tc-99m-Tetrofosmin i.v. in die der primären Läsion kontralaterale Armvene bzw. in eine Fußvene bei bds. Läsionen 2) Aufnahmebeginn in Bauchlage unter Verwendung spezieller Lagerungsbehelfe inklusive einer Bleiabschirmung zwischen bd. Mammae 5-10 Minuten p.i. 3) Großfeldgamma-Kamera (möglichst Doppelkopfkamera) unter Verwendung eines Low-Energy-Highresolution-Kollimators 4) Seitliche und anteriore Aufnahmen mit je 10 Minuten Aufnahmezeit pro Projektion 5) Bei Herden, welche in medialen Quadranten liegen kann eine zusätzliche SPECT in Rückenlage hilfreich sein
Befundinterpretation 1) Normalbefund Bei unauffälligem Befund stellt sich die Mamma in ihrer Kontur als homogen nur äußerst gering speicherndes Organ dar. Physiologischer Weise kann die Mamille eine vermehrte Speicherung zeigen. Zu berücksichtigen ist ebenfalls die physiologische Aktivität des Myocards, der Leber und eventuell der Schilddrüse
2) Pathologischer Befund Eine umschriebene herdförmig erhöhte Speicherung von Tc-99m-Sesta-MIBI bzw. Tc-99m-Tetrofosmin ist sowohl in der Mamma als auch in der Axilla als pathologisch zu bewerten. Da mittels kationischer Komplexe nicht zwischen Karzinom und hyperzellulärem Fibroadenom zu unterscheiden ist, sollte eine pathologisch erhöhte Speicherung des kationischen Komplexes in der Mamma als Hinweis auf einen zellreichen Tumor interpretiert werden
Qualitätskontrolle Eine Qualitätskontrolle der Markierungsausbeute mit Tc-99m ist nicht obligat
Fehlerquellen Bei teilweise paravenöser Injektion kann es zur Darstellung axillärer Lymphknoten ohne path. Bedeutung kommen.
Bei ungenügender Bleiabschirmung zwischen beiden Mammae kann es zum Durchscheinen eines ipsilateralen Speicherherdes auf die kontralaterale Seite kommen.
In der 2. Zyklushälfte kann es zu falsch positiven Befunden kommen.
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