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Protokolle - Neurologie

Rezeptor

Aktualisiert am 27. April 2001

Untersuchung der Neurotransmission mittels Rezeptor-SPECT

Autoren

Dr. Eveline Donnemiller, Universitätslinik f. Nuklearmedizin, Innsbruck
Univ. Prof. Dr. Ivo Podreka †

Zielsetzung
Die Übertragung von neuronalen Impulsen im Gehirn wird durch mehrere Neurotranssmittersysteme gewährleistet. Diese Transmittersubstanzen interagieren mit entsprechenden Rezeptoren, die in den Synapsen lokalisiert sind. Störungen der Transmittersysteme können zu Störungen der ZNS – Funktion und zu neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen führen.
Der Nachweis solcher Anomalien und die klinische Erforschung damit verbundener Krankheitsbilder, sowie die Untersuchung über die Wirksamkeit und Angriffsort bestimmter Psychopharmaka oder Drogeneinwirkung ist Ziel der Rezeptor-SPECT.

Hintergruninformationen und Definitionen
Mit der SPECT könne heutzutage das Dopaminerge- und das GABAerge Transmittersystem wie auch das Dopamintransporter- und Serotonintransportersystem routinemäßig untersucht werden. Das dopaminerge System spielt einerseits für die korrekte Funktion der Motorik, andererseits aber auch bei kognitiven Leistungen eine wichtige Rolle. Auch bei psychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie und bei Drogenabhängigkeit wird eine Störung dieses Transmittersystems vermutet.
Die Wiederaufnahme von Neurotransmittern aus dem Synapsenspalt in die praesynaptische Endigung wird durch Transportersysteme reguliert. Die Blockade solcher Transportersysteme durch bestimmte Medikamente (z.B. Serotonin – reuptake Hemmer) hat eine Konzentrationserhöhung des Transmitters extrazellulär zur Folge.


Indikationen

Morbus Parkinson
Mit dem das Dopamin-Transportersystem markierenden Tracern (dzt. ß-CIT am häufigsten in Verwendung) läßt sich der Verlust nigro-striatärer dopaminerger Verbindungen schön dokumentieren. Schon im Frühstadium der Erkrankung, die meist halbseitig beginnt, ist das Striatum bds. mit seinem occipitalwärts gerichteten Teil schlecht dargestellt und dies einseitig (kontralateral zur klinischen Symptomatik) betont. Diese Untersuchung ist dann wichtig, wenn klinisch keine eindeutigen Symptome vorliegen. Es ist in einem solchen Falle besser eine ß-CIT-SPECT zur Diagnosesicherung durchzuführen als den Patienten blind auf L-DOPA einzustellen. Beim M. Parkinson bleiben im Gegensatz zu den Multisystematrophien (MSA) die hauptsächlich postsynaptisch lokalisierten D2-Dopaminrezeptoren intakt. Daher ergibt eine IBZM- (oder Epiderpid) – SPECT einen normalen Befund.


M. Parkinson - zum Vergrössern anklicken

Mutlisystematrophien: dies sind klinische Syndrome, die eine parkinsonähnliche Symptomatik, ein relativ schlechtes Ansprechen auf L-DOPA und eine schnellen cerebralen Abbau aufweisen.
Dazu gehören die Striatonigrale Degeneration, das Shy – Drager Syndrom, die spinocerebelläre Atrophie, die progressive supranukleäre Blicklähmung (Steele – Richardson Olszewski Syndrom). Bei allen diesen Syndromen ergibt die ß-CIT SPECT einen pathologischen Befund, allerdings fällt auch die IBZM- (oder Epiderpid) – SPECT abnorm aus (DD. zum M. Parkinson).

Chorea Huntington
Hier fällt mittels einer IBZM- (oder Epiderpid) – SPECT schon im Frühstadium der Erkrankung eine verminderte Tracerbindung im Striatum auf. Bei vielen anderen seltenen Krankheitsbildern wurde das dopaminerge System mit der SPECT untersucht (dementielle Syndrome, Hallervorden-Spatz Syndrom, Gilles-de-la-Tourette-Syndrom, M. Wilson). Im Einzelfall kann man aber dzt. bei diesen Krankheitsbildern die Diagnose mit der SPECT nicht stellen.
Krankheitsbilder wie Epilepsie, ischaemischer Insult, kortikale Dysplasie, Schädelhirntrauma, Systemdegeneration, arteriosklerotische Encephalopathie, M. Alzheimer wurden auch mit 123J-Iomazenil-SPECT untersucht. Obwohl prinzipiell als GABAerger-Marker interessant ist es mit dieser Substanz nicht leicht sichere Befunde zu erheben, da die Aufnahmen aufgrund der Rezeptorverteilung im Cortex nicht sehr kontrastreich sind (im Gegensatz zu Flowbildern).
Analog zur Flumazenil-PET kann man mit Iomazenil eine corticale Deaktivierung infolge einer Unterbrechung neuronaler Verbindungen nicht sehen. Daher kann z.B. bei guter räumlicher Kameraauflösung bei TLE-Epilepsien nur die epileptogene Zone und nicht die corticale Deaktivierung interiktal gesehen werden. Auch ein umschreibener Neuronenverlust kann damit nachgewiesen werden.


Untersuchungsmethode, Vorgehensweise, Verfahren

Patientenvorbereitung
-
Der Patient muß nicht nüchtern sein. Die Schilddrüse wird mit 30-40 Irenat® Tropfen blockiert.
- Der Patient wird in analoger Weise wie bei der CBF-Messung gelagert.

SPECT mit 123J-IBZM, 123J-Epideprid
Pausieren einer L/DOPA Therapie (Madopar®, Sinemet®)für mindestens 2-fache Eliminationszeiten (12h).
Pausieren einer Therapie mit Dopamin-Agonisten (ReQuip®, Umprel®, Permax®, Dopergin®, Sifrol® e.t.c.) etwa für 72h.
Pausieren einer Neuroleptikatherapie (Haldol®, Zyprexa®, Risperdal®, Dominal® e.t.c.) etwa für 10 Tage, bei depot-Neuroleptika bis zu 3 Monaten. Ebenfalls kann die dauernde Einnahme von Ca-Antagonisten (Cinnarizin, Flunarizin) diese SPECT-Ergebnisse über eine ähnlichen Zeitraum wie ein Depot-Neuroleptikum.

SPECT mit 123J-ß-CIT u. a. Cocainanaloga
Pausieren von Substanzen mit Wirkung am Dopamin-, Serotonin-Transportersystem Mindest. 2-fache Eliminations-HWZ für Selektive 5-HT Reuptake Hemmer (SSRIs), trizyklische Antidepressiva, Kokain, Amphetamin bzw. –analoga, Methylphenidat (Ritalin®), Sympathikomimetika

SPECT mit 123J-Iomazenil
Pausieren von Therapien mit Wirkung am GABA-Rezeptor Rezeptoragonisten (Diazepam = Valium® 60h; Lorazepam = Temesta® 24h; Bromazepan = Lexotanil® 24h, Rezeptorantagonisten Flumazenil = Anexate® 1,5h)

Informationen über die Durchführung der Untersuchung
Wie bei der CBF-SPECT

Vorsichtsmaßnahmen
Wie bei der CBF-SPECT

Radiopharmaka: Dosierung und Beginn der SPECT-Aufnahme

D2-Rezeptor-Antagonisten
123J-1BZM (Dopaminerge postsynaptische D2-Rezeptoren)

123J-Epidepride (Dopaminerge postsynaptische D2-Rezeptoren)

Cocainanaloga

(Dopamintransporter-System = DAT und Serotonintransporter-System = SERT )

Tracer
123J-ß-CIT mit Wirkung auf DAT, (SERT)
123j-ß-cit-fp mit Wirkung auf DAT, (SERT)
99mTc-TRODAT mit Wirkung auf DAT, (SERT)
123J-IDAM mit Wirkung auf SERT
123J-nor-ß-CIT mit Wirkung auf SERT

GABAA-BZ-Rezeptor-Antagonisten
123J-Iomazenil mit Wirkung auf GABAA-Benzodiazepin-Rezeptor

mAch-R Antagonisten
123J-QNB mit Wirkung auf mAch-R

Dosierung und Aufnahmezeiten

Tracer  Dosis i.v.  Aufnahme  Aussage 
123J-IBZM  185 MBq  100 min p. i.  D2-R 
123J-ß-CIT  148 MBq  20 h p.i.  DAT 
123J-ß-CIT  148 MBq  4 h p.i  SERT 
123J-ß-CIT-FP  148 MBq  3 h p.i.  DAT 
99mTc-TRODAT  470 MBq  4 h p.i.  DAT 
123J-lomazenil  148 MBq  1,5-2 h p.i.  GABAA-R 

Datenakquisition
Wie bei der zuvor beschriebenen CBF-SPECT nur dass die Aufnahmezeiten je nach SPECT-System variiert werden müssen, um eine ausreichernde cts-Ausbeute registrieren zu können. Da 123J auch Energie-peaks im hochenergetischen Bereich Besitzt soll für diese Art von Untersuchungen entweder ein niederenergetischer LEAP (~ 30% scatter) oder ein hochauflösender medium-energy Kollimator verwendet werden, besonders bei IBZM-Studien, bei denen kein streng umschriebenes Signal erwartet werden kann.

Interventionen
Keine

Datenauswerung
Wie bei der CBF-SPECT

Befundung und Dokumentation
Wie bei CBF-SPECT

Qualitätssicherung
Wie bei CBF-SPECT

Nebenwirkungen
Keine

Strahlenbelastung
Die effektive Äquivalentdosis beträgt bei guter Hydrierung und regelmäßiger Blasenentleerung ca. 4-6 mSv.

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