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Protokolle - Kardiologie

Myocardperfusion

Aktualisiert am 25. Februar 2003

Perfusionsszintigraphie des Myokards mittels SPECT

Erstellt von der Arbeitsgruppe Nuklearkardiologie der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Nuklearmedizin

Autoren

Univ. Doz. Dr. H. J. Gallowitsch, Nuklearmedizin u. spez. Endokrinologie, Klagenfurt
Dr. Senta Graf, Klinische Abteilung für Kardiologie, AKH Wien
Prim. Univ. Prof. Dr. Thomas Leitha, Institut für Nuklearmedizin, SMZ Ost, Wien
Univ. Doz. DDr. Gerold Porenta, PKA Rudolfinerhaus, Wien

Ziel
Leitlinie für Zuweiser, Nuklearmediziner und Kardiologen zur Indikationsstellung, Durchführung und Interpretation der Perfusionsszintigraphie des Myokards mittels SPECT (Single Photon Emission Tomographie).


Indikationen

1) Nachweis oder Ausschluß einer wirksamen koronaren Herzkrankheit

a) Diagnostik bei Patienten mit einer Vortestwahrscheinlichkeit einer wirksamen koronaren Herzkrankheit zwischen 20% und 80%. Die Vortestwahrscheinlichkeit kann durch Tabellen bez. Formeln bestimmt werden (z.B. Tabellen der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie).
b) Patienten, für die ein Ausschluß einer wirksamen koronaren Herzkrankheit aus speziellen Gründen notwendig ist (z.B. Gutachten, Risikoberufe, auffällige Familienanamnese)
c) Bestimmung des Ausmaß und der Lokalisation eines Risikogebietes bei vermuteter koronarer Herzerkrankung
d) Diagnostik bei diffus oder regional reduzierter Linksventrikelfunktion
e) Diagnostik beim akutem Thoraxschmerz, wenn durch andere Verfahren keine eindeutige Diagnose gestellt werden kann

2) Beurteilung der Wirksamkeit einer bekannten koronaren Herzkrankheit
a) Beurteilung der hämodynamischen Signifikanz und des Risikogebietes einer angiographisch dokumentierten Koronarstenose
b) Verlaufskontrolle nach perkutaner intraluminaler Koronarintervention
c) Verlaufskontrolle nach aortokoronarer Bypassoperation
d) Beurteilung des Therapieerfolges bei Interventionen zur Verbesserung der Koronarperfusion (z.B. Laserrevaskularisation)

3) Risikostratifikation hinsichtlich koronarer Ereignisse

a) Risikostratifikation bei Patienten nach Myokardinfarkt
b) Präoperative Risikostratifikation bei Patienten mit erhöhtem koronaren Risiko vor großen operativen Eingriffen
c) Risikostratifikation bei Patienten mit erhöhtem koronaren Risiko (z.B. Diabetes mellitus, chronisches Nierenversagen, massive Hyperlipidämie etc.)

4) Beurteilung der Myokardvitalität
a) Differenzierung zwischen irreversibler Nekrose und potentiell reversiblen ischämischen Veränderungen bei gestörter kontraktiler Funktion
b) Beurteilung der Möglichkeit einer postinterventionellen Verbesserung der Wandbewegung
c) Ausdehnung und Lokalisation eines Myokardinfarktes


Untersuchungsarten

1)
Nach Belastung
a) Ergometrische Belastung
b) Pharmakologische Belastung
- Vasodilatation: Dipyridamol, Adenosin
- Inotrope Stimulation: Dobutamin

2) Unter Ruhebedingungen


Untersuchungsprotokolle
Thallium: Ruhe, Ruhe/Redistribution, Belastung/Redistribution+-Reinjektion
SestaMIBI, Tetrofosmin: Ruhe, Belastung/Ruhe

Vorbereitung
Vor einer Belastung mit Dipyridamol oder Adenosin keine theophyllinhaltigen Medikamente (für nicht retardierte Medikamente: 12h, für retardierte Medikamente 24-48h) und keine theophyllinhaltige Nahrungsmittel (12h Nahrungskarenz für Kaffee, schwarzen Tee, Kakao, Schokolade). Vor einer ergometrische Belastung sollte eine kleine Mahlzeit eingenommen werden, hinsichtlich der Einnahme von koronarwirksamen Medikamenten vor der Ergometrie kommen die entsprechenden Empfehlungen der ÖKG zur Anwendung


Relative Kontraindikationen

1)
Belastung
a) Ergometrische Belastung
- Kontraindikationen für die Ergometrie der ÖKG wie z.B. instabile Angina pektoris, akuter Myokardinfarkt, maligne Hypertonie, manifeste kardiale Dekompensation, Myokarditis, maligne Rhythmusstörungen, akute Infekte
b) Pharmakologische Belastung
- Dipyridamol, Adenosin: AV-Block II und III, chronisch obstruktive Lungenerkrankung, die mit Theophyllin oder Steroiden behandelt wird, rezenter Insult, akuter Myokardinfarkt (<3 Tage), tachykarde Herzaktion, manifeste kardiale Dekompensation, Hypotonie, Unverträglichkeit der Substanz. Adenosin ist kontraindiziert, wenn der Patient eine orale Dipyridamoltherapie erhält.
- Dobutamin: wie bei ergometrischer Belastung

2) Unter Ruhebedingungen
hämodynamisch instabiler Patient, ausgeprägte Unruhe

Radiopharmaka/ Dosimetrie

Radiopharmakon   Aktivität (MBq)  Dosisäquivalent
(mSv/MBq)  
Thallium-201  74-111  0,23 
Tc-99m SestaMIBI   740 - 1110  0,0085 
Tc-99m Tetrofosmin   740 - 1110  0,0067 

Akquisition
Mit/ohne EKG- Triggerung, mit/ohne Messung der Photonenattenuation

Auswertung
Die Auswertung der Myokardperfusionsszintigraphie erfolgt grundsätzlich und vornehmlich mittels visueller Interpretation durch einen Facharzt/Fachärztin für Nuklearmedizin oder einen Facharzt/Fachärztin für Kardiologie.
Für die Beurteilung eines möglichen Einflußes von Bildartefakten wie z.B. inhomogene Photonenattenuation, Streustrahlung oder Wandbewegungsartefakte können semiquantitative Analyseverfahren wie Polarmap Analyse, Vergleich mit einer Normaldatenbank, Aufnahme von EKG-getriggerten Bildern oder eine Attenuationskorrektur eingesetzt werden.

Dokumentation
Erstellung anatomisch standardisierter, an der Herzachse ausgerichteter Schnittbilder in drei zueinander orthogonalen Ebenen: Kurzachsenschnitte, vertikale Längsachsenschnitte, horizontale Längsachsenschnitte.
Die Darstellung und Orientierung der Schnittbilder erfolgt entsprechend den international vereinbarten Richtlinien (JACC 1992;20:255-256; JNM 1992;33:1434-1435).

Die Dokumentation sollte zusätzlich die applizierte Aktivität, das Radiopharmakon, Zuordnung zu Belastungs- und Ruheuntersuchung, die anatomische Beschriftung ev. mit Piktogrammen, das Untersuchungsprotokoll und die Farbskala umfassen. Beim Einsatz von attenuationskorrigierten Bildern sind jedenfalls auch die unkorrigierten Bilder für die Beurteilung in Betracht zu ziehen, da verschiedene Algorithmen zur Attenuationskorrektur auch Bildartefakte bewirken können.

Befundung
Der schriftliche Befund sollte folgende Elemente beinhalten:
- Zuweisungsgrund und Indikation
- Art und Dosis der verabreichten Radiopharmaka
- Untersuchungsprotokoll
- Patientenbezogene Ereignisse
- Bildqualität
- Beschreibung der Ergebnisse
- Zusammenfassung des Befunds mit Interpretation unter Berücksichtigung der Zuweisung

Diese Leitlinie wurden in Anlehnung an die Richtlinien der Österreichischen Gesellschaft für Nuklearmedizin, der deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin (Knapp W.H., Nuklearmedizin 1999; 38:226-229; Der Nuklearmediziner 1998; 3:21:222-224, der Society of Nuclear Medicine (Strauss, J Nucl Med 1998;39:918-923,), der ESC und der ASNC erstellt. Auch die Richtlinie 97/43/Euratom des Rates vom 30.Juni 1997 wurde bei der Erstellung dieser Leitlinie berücksichtigt.



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