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Protokolle - Gastroenterologie

Magenentleerung

Aktualisiert am 29. Februar 2004

Leitlinie für die Magenentleerungs-bzw. Motilitäts-Szintigraphie

Autor

Prim. Dr. Bernhard Markt, Institut für Nuklearmedizin, KH d. Elisabethinen, Linz

Zielsetzung
Unterstützung bei Indikationsstellung, Durchführung, Interpretation und Befundung der nuklearmedizinischen Verfahren zur Untersuchung der Magenmotilität

Hintergrund und Definition
Nuklearmedizinische Verfahren zur Untersuchung der Magenentleerung und Motilitätsprüfung sind die physiologischste Möglichkeit der Untersuchung. Die Verfahren sind nicht invasiv, benützen physiologische Mahlzeiten und sind quantitativ. Bei geringer Strahlenbelastung sind sie zur Überprüfung der Effektivität der Therapie wiederholbar

Wesentliche Indikation
- Postprandiale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, unklare Oberbauchbeschwerden, Chronische Aspiration
- Verdacht auf Gastroparese
- Schlecht kontrollierter Diabetes mellitus
- Gastro-oesophagealer Reflux
- Überprüfung der Therapie und Magenmotilitätsstörungen


Durchführung

Patientenvorbereitung

- Nüchternheit für mindestens 8 Stunden vor der Untersuchung, vorzugsweise ab Mitternacht, Durchführung der Untersuchung am Morgen
- Der Patient sollte über den Ablauf der Untersuchung informiert werden (Art der Testmahlzeit, zeitlicher Horizont, Patientenposition während der Untersuchung).
Bei Diabetikern ist die Insulintherapie zu berücksichtigen
- Prämenopausale Frauen sollten zwischen Tag 1 und Tag 10 des Menstruationszyklus untersucht werden, um hormonelle Effekte auf die Magenmotilität zu vermeiden

Wichtige Informationen für die Untersuchung
- Begleiterkrankungen (Hiatushernie, Gastroesophagealer Reflux)
- Vorherige Interventionen (Medikation, z.B. Metoclopramid, Domperidon, Cisapride, Erythromycin sowie Operationen)

Vorsichtsmaßnahmen / Kontraindikationen
- Allergien gegen Bestandteile der Testmahlzeit
- Wenn bei Diabetikern Fasten für 8 Stunden zu Hypoglykämien führt

Radiopharmazeutika
Es gibt eine große Variationsbreite von Testmahlzeiten in unterschiedlichen Konsistenzen. Die Testmahlzeiten werden zumeist mit Technetium-99m-Kolloiden markiert
Solide Testmahlzeiten (Tracer wird vor dem Kochen zugegeben)
- Eier entweder als hartgekochte Eier oder als Eierspeise
- Rindseintopf
Flüssigkeiten, z.B. Orangensaft, Milch oder auch Wasser
Die Untersuchung mit Flüssigkeiten ist allerdings weniger sensitiv als die mit soliden oder semisoliden Testmahlzeiten
Semisolide Testmahlzeit
Es werden verschiedene Arten von Breis verwendet, so z. B.:14g Maizena, 250 ml Milch, Süßstoff, Zimt

Datenakquisition
Die Testmahlzeit sollte rasch verzehrt werden, nach Möglichkeit innerhalb von 10 Minuten. Abweichungen sollten notiert werden. Untersuchung vorzugsweise mit Doppelkopfkamera (ausschließlich ventrale Aufnahme ist ungenau durch die Lage des Magens bzw. mögliche Überlagerungen mit dem Dünndarm). Falls nicht möglich, kann eine LAO-Aufnahme gewählt werden.
- Großfeldkamera mit LEAP- oder LEHR-Kollimator 64 x 64 oder 128 x 128 Matrix
- Einstellung über distalen Oesophagus, Magen und proximalen Dünndarm, unmittelbar nach Applikation der Testmahlzeit
- Aufnahmedauer mindestens 60 ( 90) bis 120 min. (Abhängig auch von Art der Testmahlzeit)
- Vorzugsweise kontinuierliche Datenkollektion mit 60 sec frames, alternativ statische Einzelaufnahmen alle 5 bis 10 min
- Die Daten können grundsätzlich liegend, sitzend oder auch stehend erfasst werden, für die einzelnen Positionen müssen aber eigene Normwerte ermittelt werden. Zumeist wird eine halb sitzende Position gewählt (Oberkörper 45 Grad aufrecht).

Intervention
Metoclopramid oder andere prokinetische Medikamente können verwendet bzw. untersucht werden.

Auswertung
- Zeichnung einer region of interest ( ROI) um die Aktivität im Magen, eventuell Ermittlung des geometrischen Mittels bei Verwendung von ventral und dorsal Ansichten. Optional Bewegungskorrektur.
- Korrektur für radioaktiven Zerfall
- Berechnung der Zeit - Aktivitätskurve
- Es gibt verschiedene Arten der Quantitierung, zumeist werden Dauer der lag-phase erfaßt, sowie die Entleerungshalbwertszeit errechnet, für die Berechnung der Entlerungshalbwertszeit wird zumeist ein least squares-fit verwendet. Die Art der Berechnung sollte im Befund dokumentiert werden
- Zusätzlich können Entleerungsgeschwindigkeitsrate und prozentuale Entleerung zu verschiedenen Zeitpunkten der Untersuchung inkludiert werden

Interpretation und Befundung
- Normalwerte für die spezifische Testmahlzeit und die spezifische Untersuchungsmodalität müssen ermittelt werden.
- Die Bilder sollten als Film betrachtet werden, um oesophageale Refluxe oder auch Bewegungsartefakte zu erfassen
- Die Art der Untersuchung sollte dokumentiert werden (anterior, LAO oder anterior und posterior), sowie auch die Position des Patienten
- Vorangegangene Operationen und die laufende Medikation sollte berücksichtigt werden
- Im Befund sollten die errechneten Daten auf die ermittelten Normalwerten bezogen werden, eventuell Vergleich mit früheren Untersuchungen, Dokumentation der Medikation des Patienten

Qualitätskontrolle
Die Testmahlzeit soll kontrolliert werden auf kalorischen Gehalt, Volumen und Temperatur.

Fehlerquellen
- Unzureichende Markierung
- Nicht standardisierte Mahlzeit
- Nicht standardisierte Utnersuchungsbedingungen
- Übelkeit oder unzureichender Patientenkomfort
- Zu langsame Applikation der Testmahlzeit bzw. zu langsamer Transport vom Mund über den Oesophagus in den Magen
- Patient ist nicht nüchtern
- Gastrooesophagealer Reflux
- Überlappung von Dünndarmaktivität mit der ROI des Magens

Noch unklare Punkte
- Intersubjektvariabilität
- Einfluss von Umgebungsfaktoren (Raumtemperatur, Lichtverhältnisse, Angstzustände)
- Effekte von hormonellen Variationen
- Geschlechtsunterschiede der Motilität



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