Nachruf_FrischaufEin Pionier der Nuklearmedizin in Österreich:

Prof. Dr. Johannes Frischauf

(geboren am 8.Mai, 1919, verstorben am 12.Juli 2015),
verfasst von Prof. Dr. Robert Dudczak

Prof. Dr. Frischauf hat die Nuklearmedizin an der 1.Medizinischen Universitätsklinik in Wien aufgebaut und nachhaltig geprägt.

Prof. Frischauf trat im Oktober 1947 in die 1.Medizinische Universitätsklinik ein (Vorstand Prof. Dr .Ernst Lauda und Vorstand ab 1964 Prof. Dr. Erwin Deutsch). Prof. Frischauf war mathematisch und naturwissenschaftlich begabt und hat die Isotopenstation an der Klinik aufgebaut. Sein Interessengebiet war breit gestreut dies dokumentiert sich auch in zahlreichen Kooperationen mit verschiedenen Fachbereichen der Inneren Medizin aber auch außerhalb der Klinik wie z.B. mit der Gynäkologie oder der HNO. Prof. Frischauf hat die neue Methode der Nuklearmedizin sowohl für diagnostische als auch therapeutische Fragestellungen eingesetzt. Therapeutische Belange betrafen neben der Radiojodtherapie bei Schilddrüsenerkrankungen, die extrakorporale Bestrahlung bei Leukämie oder z.B. die Zerstörung der Hypophyse mittels Radiogoldimplantation. Darüber hinaus hat er ein in vitro Labor aufgebaut. Wie damals üblich war die Schilddrüse ein klinischer Schwerpunkt einer Isotopenstation. Sein klinisches Interesse galt aber auch der Hämato-Onkologie.
Ein wissenschaftlicher Schwerpunkt war die Neutronenaktivierungsanalyse zum Nachweis von Spurenelementen im Gewebe, sein Habilitationsthema (Habilitation 1965). Klinisch hat er alle damals gängigen nuklearmedizinischen Untersuchungen wie z.B. die Eisen- oder Erythrozytenkinetik und zahlreiche szintigraphische Untersuchungen etabliert.
Schon frühzeitig hat er sich mit Nierenfunktionsuntersuchungen beschäftigt und hat hier auch später zahlreiche Studien initiiert. Ziel war auch allgemein die Untersuchungsdurchführung und Auswertung zu optimieren. Ein wesentliches Anliegen von Prof. Frischauf war der Strahlenschutz, sowohl für Patient als auch das Personal und er war ein vielgefragter Referent für diesen Themenbereich und seine Expertise war auch vom Ministerium gefragt.

Prof. Frischauf hat sich unermüdlich um die Erweiterung der Isotopenstation bemüht und 1970 wurde im Rahmen des sogenannten „Klinikenprogrammes“ der Gemeinde Wien die Isotopenstation und die dazugehörige Laborgruppe modernisiert. 1974 bestand die nuklearmedizinische apparative Ausstattung aus einem Bohrlochmessplatz, Geiger-Müller Zählrohr, Curiemeter, Gamma- und Beta-Counter, Mess-Sonde, Scanner und einer Gammakamera (Pho-Gamma 3, Nuclear Chicago) mit angeschlossenem Computersystem. Später wurde für die Behandlung mit offenen Radionukliden die einzige kommissionierte Station in Wien bestehend aus drei Strahlenbetten im Jahre 1982 in Betrieb genommen. Erwähnenswert ist auch, dass 1978 die Abteilung für Nuklearmedizin an der 1.Medizinischen Universitätsklinik errichtet wurde.

Prof. Dr. Frischauf war Mitglied bei zahlreichen nationalen und internationalen Gesellschaften und Ehrenmitglied des Österreichschen Verbandes für Strahlenschutz. Im Rahmen der 4. Jahrestagung der ÖGN 2001 wurde er auch als Pionier der österreichischen Nuklearmedizin geehrt.

Prof. Dr. Frischauf war eine schillernde Persönlichkeit, ein geschätzter Mediziner, auch engagiert in der Lehre und Ausbildung und als Persönlichkeit ein Original, er war menschlich und zurückhaltend. Er wurde wegen seines umfassenden Wissens bewundert und geschätzt. Er hat den Mitarbeitern viel Freiraum hinsichtlich Ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit gewährt und ehemalige Mitarbeiter haben prominente Positionen besetzt. Beliebt waren seine jährlichen Einladungen, hier konnte man auch seine Virtuosität am Klavier – sein vielgeliebtes Hobby – bewundern.